Bits und andere Biester

Aus dem chaotischen Leben eines noch chaotischeren Menschen

  • Die rote Pille

    Gestern mussten wir doch mal eben zu fünft ganz fix ausprobieren, wie groß aktuelle Kleinstwagen sind und quetschten uns in einen Ford Focus. Erstaunlich, wie viel Beinfreiheit einem dennoch bleibt. Kleinstwagen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

    Nun ja, egal 🙂 Der eigentliche Grund war eine kurze, schnelle Tour rüber nach Hannover. Dort gab es am Abend nämlich großes Kino zu sehen. Matrix. Endlich mal wieder auf großer Leinwand. Ja dafür lohnt es sich schon mal, knapp 20 Euro fürs Ticket auszugeben, ein Auto zu mieten und zweimal 300km quer durchs Land zu tuckeln.

    Ok, das ist natürlich nur die halbe Wahrheit.
    Im NDR Landsfunkhaus spielte nämlich das NDR Pops Orchester auf. Im Hintergrund „The Matrix“ in der Originalfassung (mit nervigen Untertiteln) und vorn ein gigantisches Orchester, welches die Originalfilmmusik live darbot. Und zwar exakt passend zum Film. Das Geschehen war sozusagen nicht von dem Originalfilm unterscheidbar, wenn man die Augen schloss. Beinahe. Natürlich war das Orchester deutlich lauter als die von der Konserve kommenden Tonspuren für Sounds und Sprache. Der Film als solches, eher blass wirkend, die Sounds im Großen Sendesaal eklig widerhallend, war natürlich nur nettes Beiwerk – um dem Publikum die Chance zu geben, zu erkennen, welche Szene von den Musikern gerade begleitet wurde.

    Die Präzision war gigantisch. Buchstäblich in der ersten Sekunde hatte ich Gänsehaut. Das erste Bild auf der Leinwand, das Orchester setzte partout ein. Und so lief es die gesamten zwei Stunden. Matrix ist bislang für mich nicht unbedingt für seinen Soundtrack bekannt gewesen. Genau genommen, war mir bis gestern nicht einmal bewusst, wie viel Platz er eigentlich in dem Film hat. Deswegen wunderte ich mich auch bis zum Beginn, dass für ein solches Projekt ausgerechnet dieser Streifen gewählt wurde. Doch der Mut, genau dieses Event zu besuchen, die Kosten und die Tour auf sich zu nehmen, war absolut richtig plaziert. Was uns gestern geboten wurde, war ein Filmmusik-Fest erster Güte. Ich bin beeindruckt, was so ein Orchester wirklich leisten kann, wie genial es spielt, selbst wenn im Hintergrund Schießereien stattfinden. Jeder Paukenschlag saß und untermalte den zugehörigen KungFu-Tritt auf der Leinwand tödlich präzise.
    Was mich außerdem beeindruckte, war die Authentizität. Normalerweise ist man gewohnt, dass Live-Musik – auch bei Orchesterwerken – immer ein wenig anders klingt, als das was man von der Konserve her kennt. War gestern nicht so. Ich könnte schwören, würde man die Soundtrackspur des Films nehmen eine Aufnahme des gestrigen Auftritts legen würde, wäre es zumindest für einen Laien schwer, die Unterschiede zu erkennen.

    Einfach nur ganz großes Kino, ganz große Musik, ganz großer Auftritt. Perfekt.

    Und ich durfte mal wieder Matrix auf Leinwand erleben, hach toll… Vor allem der blinkende Cursor am Anfang hat es mir angetan… 😀


  • Gerockopert

    Seit Monaten fieberten wir diesem Termin entgegen. Einige mehr, andere weniger. OK, meine Familie, die ich ebenfalls von der Musik überzeugt hab, zählte schon Monate vorher die Stunden, ich erst einen Tag vorher. Und dann saßen wir gestern Abend endlich im Tempodrom. Auf den Stühlen (ja, es war zunächst ein Sitzkonzert!) verteilt lagen Hochglanz-Hefte mit den Übersetzungen der Songs. Die Show begann ganz stilecht mit Gongs.

    Trans-Siberian Orchestra gab, was sie mit dem Tourtitel „Beethoven’s Last Night Tour“ versprachen: Eine nahezu vollständige Wiedergabe dieser genialen Rockoper. Zwar war sie an vereinzelten Stellen verändert, doch das Ergebnis zählt und das war grandios.

    Anfangs wurde mein Enthusiasmus etwas gebremst, als sich herausstellte, dass sie alles etwas langsamer spielten, als auf Platte, doch wenn man sich reingehört hat, macht das nichts. Wie schon vermutet, war das Bühnenspektakel fulminant. In Sachen Licht-/ Laser- /Pyro- und Leinwandeinsatz macht TSO so schnell niemand nach. Auch sonst ließen sie sich nicht lumpen. Ich habe nicht erfasst, wie viele Musiker da auf der Bühne waren, doch es waren entsprechend viele. Einer krasser als der andere. Angefangen mit einem eigenen Streicherensemble, dirigiert von einem E-Violinisten, zwei Keyboardern, mindestens drei Gitarren/Bässe – allesamt verdammte Poser *gg* -, Schlagzeug, einem Frauen-/ Männerchor, wobei da auch die zahlreichen Solisten aushalfen.

    Was dem Publikum geboten wurde, kann man nun erahnen, wenn man TSOs Musik kennt: Eine Mischung aus harten Gitarrensoli und Musicalparts. Stets unterstrichen von Technikspielereien der feinsten Sorte und umrahmt von einem sehr starken Erzähler. Tatsächlich wirkte dieser nicht irgendwie verkehrt sondern gab dem Stück einen gewissen eigenen Schliff. Er machte das Konzert zu einer Show, einem Theaterstück. Der Solist, der Beethoven’s Rolle spielte, war nett, doch genial war Mephisto. Verdammt evil, der Junge >:)

    [die tollen Bilder sind von art-noir.ch, weitere hier]

    Es fehlten einige Stücke, wie „A Moment“ und (zur Enttäuschung meiner Schwester) „Mephistoteles‘ Return„, was allerdings nicht wirklich auffiel. Zweiteres wurde von dem Erzähler sehr lebendig dargeboten, ersteres durch das sehr geniale Instrumentalstück „Mozart and Memories“ aus dem aktuellen Album „Night Castle“ ersetzt. Das war der Moment, wo ich nicht mehr stillhalten. Super geniale Show, die dabei abgeliefert wurde. Na, und weil es ja ausgleichende Gerechtigkeit gibt, ist meine kleine Enttäuschung in meinem Lieblingsstück „The Dark“ zu finden, den plötzlich eine Frau sang. Aber hey, ein Konzert ist ein Konzert und immer anders als das Studio-Original. Das macht den Reiz ja aus. Ich fands herrlich.

    Und dann kam die Zugabe. TS fand sie deutlich besser als die Hauptshow. OK, die Stimmung war anders. Nach den Standing-Ovations blieben zumindest die Leute im Innenraum stehen. Uns hielt es dann auch nicht mehr auf den Sitzen und drängelten uns in die ersten Reihen, wo wir endlich mal sahen, wie alt die Knacker auf der Bühne teilweise wirklich waren 🙂 Der Zugabe verdanke ich jedenfall meine heutigen Nackenschmerzen. Die Highlights waren für viele sicherlich zwei Savatage-Cover, inklusive des genialen „Chance„. Ich fand die TSO-Version von „O Fortuna“ unglaublich genial: Man stelle sich einen achtköpfigen Chor aus Menschen vor, die der Metalszene nicht unbingt fremd sind, dazu das oben genannte Instrumentenaufgebot. Das ergibt eine Gänsehaut-Version dieses klassischen Klassikers.

    Ich kann nur noch einmal wiederholen, wie genial es war. Hätte ein paar dB lauter sein können für mich hinten auf den billigen Plätzen, aber sonst zweieinhalb vollkommen erinnerungswürdige Stunden. Hab am Ende sogar eines von wenigen TSO-Plektren ergattert *stolzis* Nach dem Auftritt ließ es sich die Band auch nicht nehmen, in die Lobby zu kommen um sich unter die Fans zu mischen. Das nenn ich mal „auf dem Boden geblieben“. Ich bin jetzt stolzer Träger eines TSO-FirstEuropeTour-Shirts (welches vermutlich das mit Abstand teuerste in meiner Sammlung sein sollte *irks*) und musste Mephisto auf der Brust heute auf Arbeit rumzeigen *fies grins*

    Setlist:
    01. Intro – Child Of The Night
    02. Overture
    03. Midnight
    04. Fate
    05. What Good This Deafness
    06. Mephistopheles
    07. What Is Eternal
    08. Mozart And Memories
    09. Vienna
    10. Mozart
    11. The Dreams Of Candlelight
    12. Requiem (The Fifth)
    13. The Dark
    14. Für Elise
    15. After The Fall
    16. A Last Illusion
    17. This Is Who You Are
    18. Beethoven
    19. Misery
    20. Who Is This Child
    21. A Final Dream
    Zugaben:
    22. Toccata – Carpimus Noctem
    23. The Mountain
    24. Sleep (Savatage Cover)
    25. Help! (The Beatles Cover)
    26. Carmina Burana (Carl Orff Cover)
    27. Another Way You Can Die
    28. Chance (Savatage Cover)


  • Filmmusik in der Provinz

    Am Wochenende bin ich mal eben kurz in Cottbus gewesen. Ja, es war runder Geburtstag, aber ich wäre auch sonst gefahren. Samstag war im glorreichen Staatstheater nämlich „John-Williams-Spektakel“. Dazu hatte ich meine Familie schon vor Monaten genötigt. John Williams-Konzert war angesagt, das war ein Muss für mich. John Williams? Das ist der Knut, der die ganzen bekannten Filmmusiken, die ihr so kennt, geschrieben hat: Star Wars, E.T., Indiana Jones, Superman, Schindlers Liste, Harry Potter, Jurassic Park,Der Weiße Hai, Catch Me If You Can, Der Soldat James Ryan,… Ja und dessen Musik sollte also gespielt werden. Von Anfang meiner Filmmusikleidenschaft an war ich besessen von dessen Musik, ja er war sozusagen Schuld an dieser Passion. Nun ja, und nun sollten seine Klänge das Prunktheater der Provinzhauptstadt zum Erbeben bringen. Also 1-2-Zack die Freundin eingesackt, ab zu den Eltern, diese eingesackt und ab auf die besten Plätze zwischen die High-Society von Cottbus *hust*.

    Ich habe darauf gewettet, womit angefangen wurde. Ich habe gewonnen. Was auch sonst? 6 Filme beginnen so. Seinen ersten Oscar verdiente er sich mit dieser Melodie. „Star Wars Main Theme“ erschütterte die Ränge. Original und so autentisch, dass es eine Wonne war.
    Das gesamte Konzert war ganz dem Thema „Leitmotiv“ gewidmet. Dem Dirigenten, seines Ze
    ichens Nachbar meiner Eltern, Amerikaner mit dem ewigen Willen, dieses Konzert machen zu dürfen, dafür aber erst nach Cottbus kommen zu müssen, war es anzusehen – ja, es fiel schwer, wegzusehen – wieviel Spaß und Freude er hatte, dem Publikum zu zeigen, was Leitmotive waren. 80% der Titel waren aus Star Wars oder Harry Potter. Das klingt langweilig. Doch schaffte er es, durch die unterschiedlichsten Melodien dieser Epen genau jenes Gefühl von Woah! bei den Zuschauern zu erzeugen, die auch er zeigte. John Williams war der Erste, der das Leitmotiv im Film verbaute: Eine Figur, eine eigene Melodie. Und damit schaffte er eine Vielfalt von Stücken für einen einzigen Film, dass es für 5 Konzerte reichen würde. Das ist es, was der Dirigent Evan Christ dem Publikum näher bringen wollte. Er hat es geschafft.
    Danach waren nur zufriedene Gesichter zu sehen. Vielerorts hörte man Dinge tuscheln, wie: „Ich kannte nur diese typische Musik
    aus Harry Potter. Unglaublich, dass da so viel mehr ist.“ Ein Grinsen huschte mir über das Gesicht. Und wieder ist die Welt ein Stückchen reicher an John Williams-Liebhaber.

    Noch ein Wort zum Dirigenten. Wie schon beschrieben, fiel es unglaublich schwer, an dem Mann vorbei zu schauen. Er war nicht sonderlich groß, er war extrem agil. Er hatte einen Spaß, diesen Job zu machen, es war nicht zu übersehen. Eigentlich kannte ich bisher nur so alte, gediegene und steife Dirigenten. Dieser junge Mann war das absolute Gegenteil. Man stelle sich einen Zeichentrickfilm vor – Disney hatte da einige sehr lustige Dirigenten. Genauso war er. Wild gestikulierend, sich so weit übers Pult beugend, dass es ein Wunder war, dass er nicht auf die Geiger gefallen ist. Austretend und schwingend und dabei das fette Grinsen nie vergessend. Einfach super.

    Und was waren nun die anderen 20%? Nun ja, die üblichen Verdächtigen: Der Weiße Hai, Superman, Indy Jones, E.T., sowie eine seiner 4 olympischen Zeremonienstücke.

    Nächstes Jahr, werter Mr. Christ, hätte ich gern ein Hans-Zimmer-Spektakel, ginge das in Ordnung?


  • Die Dosenfischer – Der Soundtrack zum Hobby

    Drei Wochen sind schon wieder vergangen, seit dem Release des ersten offiziellen Albums der Dosenfischer: „Wir nennen es Dosenfischen„. Drei Wochen weniger 3 Tage, die ich das gute Stück mein Eigen nenne. Eine Zeit, in der ich die Platte unzählige Male hören konnte.


    Bis auf einen Neuling finden sich auf der Tracklist nur bekannte Songs, stets unterbrochen von kurzen Gags und Einwürfen der Dosenfischer und diverser Gäste. Die Stücke klingen sehr viel professioneller als ihre ersten und bekannten Versionen. Mit sehr viel Liebe wurden diverse Soundeffekte und Instrumentalspuren eingebaut, leichte Variationen in den Melodien vorgenommen und das ganze abschließend auf Hochglanz poliert. Es macht einen runden Eindruck.

    Und doch… Ich kann mir nicht helfen. Bei aller Liebe zum Detail, aber das Album, so gut es auch ist, scheint mir genau aufgrund seiner Perfektion nicht 100%ig gelungen. Die Dosenfischer liefern den Soundtrack zum Geocaching. Dieses Hobby ist dreckig, gelingt selten auf Anhieb und ist immer mit allerlei Hürden versehen. Genau das haben die teils improvisierten und sicher auch unvollenden Songs widergespiegelt. Einige Lieder haben durch ihre Politur ihren Charme eingebüßt. Ich liebe die verträumte und melancholische Art, wie die „Kleine Wanze auf der Reise“ besungen wurde, die unterstützenden Zwischenrufe a là „Nicht die Bohne!“ in der Live-Version vom Titelgeber des Albums. All jene kleinen Details sucht man auf dem fertigen Silberling der drei vergeblich – Schade eigentlich.

    Nichtsdestotrotz ist es eine sehr nette CD, die einem den Tag durchaus versüßen kann. Im Bonus-Downloadbereich finden sich weitere 5 Lieder, alle mehr oder weniger neu. Gerade „Wie auf einer Bobbahn“ ist ein kleines Highlight des Gesamtwerkes, irgendwie vor allem aufgrund seiner Neuheit und dem damit verbundenen neuen Schmunzeln und Im-Inneren-Zustimmen.

    Die CD wird zusammen mit einer brandneuen Coin ausgeliefert, die allerdings in meinem Fall sicher nie auf Reisen gehen wird – aus Angst vor Langfingern. Ich taufte sie auf den Namen „The One-Day-I’ll-See-„Die Dosenfischer“-Coin„. Wer sie discovern will, darf das natürlich jederzeit gern tun. Eines Tages hoffe ich auch auf ein digitales Autogramm vom Sandmann und Co. 🙂

    An dieser Stelle möchte ich mich bei den Dosenfischern bedanken für ihre herrlichen Lieder, die jede öde Bürostunde fernab des Hobbys aufheitern können mit den herrlich treffenden Beschreibungen ebenjenes. Der Kauf der CD ist schon allein deswegen ein Muss gewesen, weil ich so endlich meine Wertschätzung zum Ausdruck bringen konnte. Endlich gab es einen Weg, diese Band zu unterstützen. Vielleicht sehe ich sie ja auch mal live. Schauma mal.

    Watching:
    Christopher Nolan – Inception
    Listening To:
    Gregorian – The Masterpieces


  • Gerockt


    Lauter schöne Menschen. Blitzlichtgewitter. RoterTeppich-Atmosphäre. Ich wurde von einem Polizisten freundlich aber bestimmt gebeten, weiter zu gehen.

    Brauchte ich nicht. Ich zückte das Ticket und wurde sofort von einem netten Mitarbeiter durchgewunken. Direkt drüber über den imaginären Teppich, aber bitte möglichst schnell vorbei an all den C-Promis . Zwei Gesichter hatte ich sogar schon mal irgendwo gesehen .oO(„Waaah, das ist einer von den Dreisten Drei!“ – „Öhm, ja genau *hüstel*„). Dann direkt durchs Portal und drin stand ich. Ich mit meinem Toten-Hosen-Sweatshirt und Winterhose inmitten lauter aufgetakelter Menschen in Ballkleidern und Smokings. Blickfang war ich schon irgendwie. Zumindest bis die beiden hier auftauchten. Mit „Guten Tag, wir machen hier sauber“ stolperten sie mir im Klo über den Weg und begleiteten mich irgendwie den Rest des Abends. Während ich mich weiter umsah, dem Gratissekt lieber den Gratis-O-Saft vorzog und mir die Freddie-Statue anschaute, posierten die beiden im Eingangsbereich neben den ganzen Möchtegern-Promis.

    Im wie immer sehr schicken Saal des Theater des Westens angelangt erstmal versehentlich auf einen falschen Platz gesetzt, nur um feststellen zu müssen, dass ich in Wahrheit den wohl beschissensten Sitzplatz kaufte, den man überhaupt bekommen kann. Also eines vorweg: Kauft für dieses Musical nicht II. Rang rechts Reihe größer 1. Links ist noch ok, Mitte besser. Ich nehme an, die beste Sicht hat man irgendwo I. Rang Mitte. Ist auch egal.

    Der Vorhang war verziert mit einem riesigen Queen-Wappen. Toll. Als dann die Stimme aus dem Hintergrund das gefühlte 10. Mal zur Ruhe aufgerufen hatte und das Blitzlichtgewitter auch nach der hundertsten Ansage nicht eingestellt wurde, erklangen die ersten Klänge der Premiere des Musicals „We Will Rock You„. „Innuendo“ als Ouvertüre. Geil, Top-Hit am Anfang. Im Prinzip konnte ich schon gehen 😉

    Dann folgte ein kleiner Schock. Auf der Bühne wurde „Radio Gaga“ performt – mit deutschen Texten. Inbrünstig hoffte ich, dass das nicht so weiter gehen würde. Bitte nicht! Doch diese Sorgen wurden schon im zweiten Titel zerstreut. Mit einem unglaublich energiegeladenen Auftritt stellte sich der Protagonist der Story mit einer sensationellen Version von „I Want To Break Free“ dem Publikum vor. Ich war noch nicht überzeugt, immernoch vorsichtig mit positiven Emotionen – den letzten Song im Hinterkopf. Doch je weiter das Musical fortschritt, desto begeisterter wurde ich.

    Zur Pause war ich überzeugt. Die Story erscheint zwar die ganze Zeit irgendwie aus den Fingern gesogen und ohne jegliche Tiefe – aber mal im Ernst: Wen interessiert das schon wirklich? Es geht um die Songs – um nichts anderes. Das Tolle an dieser Premiere war vermutlich, dass der Saal zu 98% aus eingefleischten Queen-Fans bestand – oder deren Anhängseln. So wurde jeder Song mitgesungen. Teils leise gesummt, teils wild gegröhlt – wie in dem Fall der wirklich coolen Fans, denen ich im Klo begegnet bin. Sie saßen direkt neben mir. Sie sangen falsch, aber das war egal. Die Stimmung war ausgelassen und die Schauspieler umjubelt. Hat man sich einmal darauf eingelassen und sieht man über die wenigen deutschen Passagen hinweg, macht das Musical großen Spaß. Gerade das ständige Bashing der DSDS-Popkultur, dem der Untergang des Classic Rock angehängt wird, sowie dem Einbau von aktuellen Geschehnissen führte bei der Meute von Rockfans im Publikum zur allgemeinen Erheiterung. So entartete das Musical Stück für Stück zu einer guten Komödie mit noch besserem Soundtrack.

    Im zweiten Teil musste ich zwar erst einmal wieder in die richtige Stimmung gebracht werden, aber spätestens bei „Don’t Stop Me Now“ hielt es mich nicht mehr im Sitz und ich tanzte was das Zeug hielt – immerhin ein Vorteil an beschissenen Plätzen: Man stört niemanden hinter einem 😉 Und dann das Finale. Es war furios. Man muss sich einmal ein Theater vorstellen, in gutem alten Stil erbau, zwei Ränge. Und dann das Stampfen der Füße von 1600 Menschen. „We Will Rock You„-Beat durch das ganze Theater. Die Ränge vibrierten. Es folgte eine StandingOvation, 3200 Hände klatschten den Beat weiter. Von meiner bescheidenen Position aus konnte ich das vollstens genießen – ich sah nahezu alle. Unglaublich.

    Dann der Abgang. Aus. Vorbei. Es fehlte „Bohemian Rhapsody„.

    Ein einsamer Schriftzug am Ende der Bühne. „Wollt ihr Bohemian Rhapsody?“ Die Sänger gaben noch einmal alles. Und dann kam der Moment, an dem ich dachte, jetzt könnte ich sterben, ich habe alles erlebt: Beim E-Gitarrensolo kam der Meister persönlich auf die Bühne. JA, ich sah Brian May Gitarre spielen! Brian May! WAAAAAAAAH!!!


    Ich weiß nicht, ob man das Musical empfehlen kann, wenn man mit Queen nichts anfangen kann. Noch weniger weiß ich, ob man das Musical empfehlen kann, wenn das Publikum zu großen Teilen aus DSDS-Verehrern besteht, die da alle Nase lang verarscht werden. Aber eines weiß ich sicher: Mit einem Saal voller Queen-Fans macht das Musical Spaß ohne Ende – man muss sich nur darauf einlassen!

    BRIAN MAY!!! OH MEIN GOTT!!! *kreisch*


  • Bier und Schnaps

    Vorletzten Freitag gings mal wieder zu einem Konzert. Klar war Mutabor der Hauptact und wie immer mit viel Spaß verbunden. Dennoch, irgendwie gab es ein anderes Highlight. Die eigentliche Vorband wurde abgesagt. Dafür stand ein schnell angeschleppter Support an der Tür:

    „The Incredible Herrengedeck“

    Auf die Bühne kamen zwei junge Burschen (der Dritte war wohl krank oder tot oder besoffen oder wattweeßicke). In der Hand einen Kontrabass und eine Gitarre. Die würden wohl „Akustikpunk“ machen. Was folgte, konnte man getrost als Dauerlachkrampf bezeichnen.

    Die Musik als solche hatte jazzige Einschläge mit einer Prise Blues. Die Texte waren Punk pur. Es wurde ehemaligen Berliner Szenevierteln hinterhergeweint, akustikge-metal-t und Kieze destroyed, Arbeiterkämpfe ausgerufen und Diktatorfantasien ausgelebt. Diese Combo hat wirklich unglaublich gute Texte, sprach Themen an, die man nur selten hört und bringt Ansagen, die allein jeden StandUp-Comedyclub gerockt hätten – und damit natürlich deutlich besser als die der Hauptband 😉

    Wenn jemand mal die Chance hat „The Incredible Herrengedeck“ zu hören, HINGEHEN! Der Abend ist damit auf jeden Fall schon jetzt ein Highlight. Man kann sich auch einen Eindruck bei Youtube und MySpace verschaffen.

    Ich jedenfalls hab den beiden erstmal 4 CDs abgekauft *gg*


    Listening To:
    The Incredible Herrengedeck – Der Soundtrack zum Untergang der Welt


  • A Final Dream

    „Echte Kunst ist eigensinnig.“

    (Ludwig van Beethoven)

    In einer Nacht im Frühling 1827 erlebt die Stadt Wien den größten Gewittersturm ihrer Geschichte. In einem großen, unordentlichen Zimmer ist Ludwig van Beethoven erschöpft über seinem Klavier zusammengebrochen. Vor ihm liegt das soeben vollendete Manuskript seiner 10. Symphonie. Es ist sein letztes und – da ist er sich sicher – auch sein größtes Werk. Als die Glocke Mitternacht schlägt erscheint Mephisto und fordert die Seele des Komponisten ein. Die Aussicht auf ewige Verdammnis entsetzt Beethoven, aber der Teufel macht ihm ein Angebot und das Feilschen beginnt…

    [Auszug aus der Einleitung zu „Beethoven’s Last Night„, dt. Übersetzung]

    Vor fast genau einem Jahr habe ich von TheWhite mal einen Auszug vorgespielt bekommen. 10 Monate später erinnerte ich mich wieder daran. Jetzt zählt es zu meinen absoluten Lieblingsalben:

    „Beethoven’s Last Night“
    von Trans-Siberian Orchestra

    Ich bin kein Musikkenner. Entsprechend schwer fällt mir eine Rezension dazu. Dennoch trage ich mich schon einige Wochen mit dem Willen herum, dieses Werk hier vorzustellen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich dem allerdings nicht gerecht. Und doch würde hier etwas fehlen, etwas, das mich ein Stück meines Lebens begleitet hat – zugegebener Maßen bisher nur ein sehr kleines, doch dafür umso intensiver. Nichts habe ich mehr gehört als diese Klänge, schon lange hat mich kein Album mehr so mitgerissen wie „Beethoven’s Last Night“.

    Ich liebe Beethoven. Ich liebe Hardrock. Ich liebe Musicals. Eine Mischung aus allem kann nur grandios schlecht oder ein Meisterwerk sein. Trans-Siberian Orchestra, ein amerikanisches Musikprojekt, welches aus der Metalband Savatage erwuchs, hat es meiner Meinung nach geschafft. In Hardrock- und Klassikelemente gehüllt erschufen sie ein Musical über die (fiktive) letzte Nacht des einzig wahren Ludwig van und dem Mythos seiner 10. Sinfonie.

    Das Album erzählt eine Geschichte voller Zweifel und Ängste, voller Liebe und voller Erinnerung. Vom Teufelspakt bis hin zur verflossenen Liebe. Natürlich kann man das nicht auf ein einziges Musikgenre beschränken. TSO verbindet also gekonnt Orchester und Klassik mit grandiosen Stimmen, Chören und E-Gitarren zu einem Rockmusical erster Güte.
    Es finden sich instrumentale Metalstücke, neu interpretierte und altehrwürdige Beethovenmelodien neben den kräftigen Singstimmen
    der musicaltypischen Erzählerstücke – es sei hier nur Patti Russo genannt, die vielen als eine der weiblichen Stimmen Meat Loafs (z.B. „I’d Lie For You„) bekannt sein könnte. Im Übrigen findet sich auch ein Mozart-Einschlag, ist er immerhin ein Teil im Leben des Meisters gewesen.

    Einzelnde Stücke besonders hervorzuheben empfinde ich hier als falsch. Das Album ist ein Gesamtwerk und sollte als solches nicht zerrissen werden. Allerdings genügten nur 30 Sekunden, um TS dazu zu veranlassen, 50 Euro in eine Konzertkarte zu investieren. Und damit sind wir im kommenden März Teil der ersten Europa-Tournee des Ensembles. Das Konzert wird die reine Musik noch toppen, scheint TSO ja nicht mit einer Bühnenshow zu geizen. Die Tour trägt übrigens den passenden Titel „Beethoven’s Last Night 2011“.



  • Aus aktuellem Anlass

    [via eyesaiditbefore, 01.07.2010]

    Hauste, Horst!

    Oh Mann, ich steh auf den Gesichtsausdruck von Rainald Grebe…


  • Gib’s mir!

    Am Sonntag stand mal wieder etwas Kultur an. Gut, für eine OpenAir-Veranstaltung hätte es ruhig etwas wärmer sein können, aber ansonsten stimmte das Ambiente des Freilichttheaters der Zitadelle Spandau.


    Habe mal eben spontan Mmd. ins Musical geschleppt. Als ich vom Bus aus das Plakat sah, Musik von 8-fachen Oscarpreisträger Alan Menken, seinem Texter Howard Ashman, sowie der deutschen Fassung von Tanz der Vampire-Schreiberling Michael Kunze, war klar, das musste man sich reinziehen.

    Und so vergnügten wir uns mit der Geschichte eines jungen Mannes, der von einem Chinesen eine mutierte und menschenfressende Pflanze kaufte, eines Mannes, der in seiner Jugend liebevoll Katzen an Wände warf und Kinder verprügelte, und somit folgerichtig Zahnarzt wurde und anderen neckischen Gestalten in „Der kleine Horrorladen„.

    Das Musical an sich basiert auf einem alten s/w-BMovie, wurde 1982 uraufgeführt, konnte 1986 mit einer Verfilmung aufwarten und reist seither durch aller Herren Länder.

    Ich persönlich war höchst amüsiert. Ich fand es nicht grandios, aber für eine nette Abendunterhaltung war es das allemal Wert.


  • Gar nicht langweilig: Akt II.


    Nach einem langen Fußmarsch mitten auf einer Brandenburger Landstraße zum Zug (der letzte Bus war schon lange weg) fuhren wir wieder wohlbehalten in Berlin ein. Wir hatten noch Zeit, bis zum nächsten kurzentschlossen gefassten Punkt der Tagesordnung, also noch schnell zu McD und Gratis-Tasse abstauben – und wegen Schließung rausschmeißen lassen.

    Vor einiger Zeit hatten die Ts und meine Wenigkeit es schon versucht, ist aber an Massen von Leuten und einem zu hohen Preisgeld gescheitert – heute Abend sollte es klappen: Ein Stummfilmkonzert zum Stummfilm-Horrorklassiker „Nosferatu“.


    Nach einer kurzen Einleitung begann der Film. Immer wieder beeindruckend, was man in den frühen 1920er Jahren ohne Mittel schon alles machen konnte und wie man sich an vielen Stellen beholfen hat. Dennoch, eine Gruselstimmung wollte nicht recht aufkommen – trotz ehrlichstem Versuch, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Aber die Hasenzähne des Protagonisten und der Blick, der in etwa aussagte: „
    Hallo, hier bin ich, ich bin Tourist und alles bei euch sieht irgendwie lustig aus.“ machten es einfach unmöglich, den Film nicht als Komödie anzusehen. Aus unserer heutigen Sicht. Dennoch ein netter Streifen und sicherlich ein Meilenstein der frühen Filmgeschichte.

    Doch der Film an sich war definitiv nicht das alleinige Anliegen des späten Kinobesuchs. Stummfilmkonzerte bekommen nur durch die Livemusik ihr eigenes Flair. Heute begleitete Günter Buchwald den Film. Der Mann war klasse. Seine Musik bestach nicht nur durch ständig wechselnde wunderschöne Klavier- und teils sehr schräge Violinmelodien, sondern er zauberte auch ungewohnte Klänge aus dem Kasten, indem er sich kurzerhand selbst reinlehnte und den Tonhämmerchen ihre Arbeit abnahm, die Klaviersaiten selbst zupfend. Meinen vollen Respekt verdiente er sich jedoch, als er es tatsächlich fertig brachte, Violine und Klavier simultan (sic!) zu spielen. Hut ab!



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