Bits und andere Biester

Aus dem chaotischen Leben eines noch chaotischeren Menschen

  • Opportunismus & Repression

    Bin von meiner Schwester drauf aufmerksam gemacht worden, dass jetzt auf Radio Fritz eine neue Comedy-Serie läuft. „Neues vom Känguru“ von Marc-Uwe Kling. Sollte ich mir doch mal auf Youtube reinziehen. Hab ich gemacht. Grandios! Nachmachen!

    Leider bin ich so gar nicht der Intensiv-Hörer. Ich kann mich nicht hinsetzen und einfach nur irgendwo nichtstuend einer Konserve zuhören. Deswegen mag ich auch keine Hörbücher. Hab mir also kurzerhand das Buch gekauft – „Die Känguru-Chroniken“. Will ich aber nix weiter zu sagen lassen, sondern gleich den Autoren selbst zu Wort kommen lassen:

    Und nun klickt euch durch die herrlichen Clips aus der Konserve. Einfach nur grandios, das Känguru. Oder kauft euch das Buch. Die kabarettistischen Sketche lesen sich wunderbar in wenigsten Minuten runter, eignet sich also hervorragend für kurze bis mittellange S- und U-Bahnfahrten.


  • DNA mal anders

    Bin heute endlich fertig geworden mit einem sehr interessanten Buch. Es war zwar vergleichsweise dünn, aber ich brauchte dennoch durch etlige Pausen erstaunlich lang.

    Douglas N. Adams soll angeblich bedauert haben, immer nur auf „Per Anhalter durch die Galaxis“ reduziert worden zu sein und wies daraufhin stets auf „Die Letzten ihrer Art„, auf das er wohl sehr stolz gewesen sein soll.

    Meine Fußbemalung hat mich dazu gebracht, mich durch die komplette Bibliografie meines Lieblingsautors zu graben – und so stieß ich schnell auf Adams‘ untypischstes Werk – interessanter Weise eine Zusammenarbeit mit dem Zoologen Mark Carwardine, dem Autoren meines Lieblingstierbuches, „Delphine„. Adams beschreibt im ersten Kapitel diese Zusammenarbeit mit folgenden Worten:

    Mark ist ein ungemein erfahrener und bewanderter Zoologe, der damals für den World Wildlife Fundarbeitete und dessen Aufgabe im wesentlichen darin bestand, von allem eine Ahnung zu haben. Meine Aufgabe – eine, für die ich absolut qualifiziert bin – bestand darin, ein ungemein unwissender Nicht-Zoologe zu sein, für den alles wie aus heiterem Himmel zu kommen hatte.

    [D. Adams, M. Carwardine – Die Letzten ihrer Art]


    Das Buch kann man als Reiseführer zu den seltensten Tieren der Welt aufgefasst werden. Douglas Adams beschreibt in seiner typisch humorvollen und wortgewandten Art ein trauriges Erlebnis nach dem anderen. Klingt komisch, ist aber so. Es ist kein detaillierter Bericht eines Biologen, sondern lediglich eine Art Protokoll eines fachfernen Sciene-Fiction-Komödienautoren. Und es passt. Die erfrischend naives Sichtweise von Adams ist genau der Grund, warum jedem Leser der Stoff näher kommt. Es ist ein Bericht über wirklich traurige Schicksale der Natur, der aber ohne unnötige Fachbegriffe auskommt. Man lernt auf einzigartige Art und Weise die Schicksale des dummen Kakapos, des (seit der Erscheinung des Buches wohl doch ausgestorbenen) blinden Baijis, des nichtweißen Nördlichen Weißen Nashorns und des Mauritiusfalken. Eine Empfehlung für jeden, auch für Nicht-Adams-Fans.

    Und für jeden Adams-Fan ist es natürlich ein Muss, weil das Buch etlige Einblicke in das Leben des Autors zulässt und Einen an seinen Gedanken teilhaben lässt. So kann man vielleicht die teilweise seltsamen Sichtweisen ein bisschen mehr verstehen, die zu „Kugelschreiberplaneten“ und „Hyperraumumgehungsstraßen“ führen.


  • HNO-WG in der Hauptstadt

    Zum zweiten Mal nun besuchte ich gestern Abend die Cartoonfabrik am Boxi. Beim ersten Mal verpasste ich leider die Vernissage von Flix, mit einer Laudatio von Ralph Ruthe. Dieses Mal war ich früh genug informiert – zum Negativ. Ralph eröffnete seine „Shit Happens!“-Ausstellung – mit einer Laudation von Flix. Eigentlich wollte Joscha auch anwesend sein, hatte aber wohl was verplant und musste arbeiten. Schade eigentlich.


    Nun ja, ich war etwas vor der Zeit da, und so hatte ich die Möglichkeit, in einer sehr kleinen, netten Runde mit den beiden Meistern des gezeichneten Humors über ihr Schaffen und Leben zu philosophieren. Ich muss sagen, so habe ich sie noch nie gesehen – Ralph habe ich eh bisher nur von Ferne gesehen, aber auch Flix hatte ich nie länger im Gespräch als für die Zeit eines Autogramm-Cartoons. Die beiden sind unglaublich herzlich, humorvoll und extrem offen für alles, was das Fanherz begehrt. Sehr sympathische Leute.

    Die Laudatio von Flix war zwei Seiten kurz, aber gespickt mit Anspielungen auf Ruthes Cartoons und erzählte von ihrem gemeinsamen Weg. „Ralle“ und das Publikum lachte Tränen. Flix ist einfach ein begnadeter Redner.
    Das zeigte sich auch, als die beiden einen Ausschnitt aus ihrem gemeinsamen Programm „Mädchen, Monster, Missgeschicke“ vortrugen. Während Ralph seine Cartoons für sich sprechen lässt, erweckt Flix die seine mit seiner Stimme zum Leben. Beides war lustig, aber Flix ist einfach noch eine Spur amüsanter, wenn er mit piepsender Stimme sein eigenes Ich von vor xy Jahren synchronisiert. Allerdings kannte ich seinen Part großteils schon von der Lesung im März.


    Ich kam also hinein Ausstellungsraum, in dem noch die Leitern vom Aufbau standen, mein pure-gold-Lemming-Shirt tragend. Läuft Flix an mir vorbei, macht seinen Spruch von wegen falscher Cartoonist, sieht den Rücken und somit seine Zeichnung. Rennt in den Hinterraum und schreit: „Ralle, Ralle, komm schnell, du musst hier mal was malen!“ *gg* Und so wurde noch vor Beginn der Veranstaltung mein Pulli endlich komplett. Joscha begann ihn auf der Frankfurter Buchmesse 2008, Flix bei oben erwähnter Lesung.
    Später ließ ich mir noch ein „Shit Happens!“-Album von Ralph signieren. Er fing an, die HNO-WG zu zeichnen, mit total verschreckten Gesichtern. „Hey Flix, kannste mal zu Ende malen?“ So wurde aus dem Einband des Büchleins eine Gemeinschaftsarbeit der beiden. Hab ich gefeiert bei Flix‘ Improvisation. Total genial.

    Ich jedenfalls freue mich aufs nächste Treffen mit einem der drei Freunde – vermutlich sehe ich sie wohl demnächst bei ihrer nächsten MMM-Tour.


  • Die volle Dröhnung

    Gerade frisch vom… Ähm, nein, später.

    Jedenfalls komme ich gerade nach Hause, da empfängt mich ein Amazon-Paket von unerwartetem Format. Ich hatte Mühe, es durch die Tür zu quetschen… OK, nicht ganz, aber schon nicht schlecht.

    Ich hatte letzte Woche das streng limitierte Box-Set der Aufnahmen der Machmalauter-Tour der Hosen bestellt. Für knapp über 50Eus.

    Das, was mir da gerade in die Hände gefallen war, hat den Preis und auch den Titel vollends verdient. Ein hochwertiges 216-Seiten Fotobuch mit spektakulären Tourbildern im Gigantoformat (32x27cm), das neue Doppel-Livealbum, die DVD vom Konzert in der Wuhlheide Waldbühne (somit bin ich inzwischen im Besitz von drei KonzertDVDs, bei denen ich auch tatsächlich anwesend war – Berlin rockt…) (Mist, war doch die Waldbühne, besser hinschauen, nicht zu früh freuen *grml*; Nee, an dem WB-Termin war ich noch Kinder hüten; Danke für den Hinweis) sowie die DVD vom geheimen SO36-Konzert im September (was wirklich an mir vorbei ging und ich kotze bis heute darüber… *grrrr*). Dazu kommt ein Gutschein für einen Gratis-Download einer der Konzertmitschnitte der Tour, was sich gut trifft, denn das von der O2-World wollte ich eh kaufen. Mit dem Kauf des Exemplars #10817 bin ich durchweg zufrieden. Wirklich ein gelungenes Werk.

    Listening To:
    Die Toten Hosen – live: Machmalauter


  • Abend 4/41/09


    1. Ausstellung „Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin“ im Nordbahnhof


    2. Ausstellung „Da war mal was“ vom Flix am Mauerdenkmal in der Bernauer
    3. Spielen eines 30-Mann/Frau/Bier-Chinesisch in einer namenlosen Kneipe.

    4. Genuss des 1. Bio-Döners von Berlin für einen nicht näher genannten Wucherpreis, extra für sman 😉

    5. Absacken bei mir bei Diskussionen über bahnbrechende Web-StartUp-Ideen und Reinigung von nicht existierenden Sandwich-Maschinen bis 3:00h morgens.

    Listening To:
    Green Day – American Idiot


  • Verflixte Woche

    Wie ich ja schon anmerkte, war letzte Woche geballte Ladung Flix angesagt.

    Donnerstag Abend fand die zitty-Leselounge statt, wohlgemerkt in einer Location irgendwo in einem Schuppen auf einem verlassenen Fabrikgelände. Dorthin hatte es Cartoonisten Flix und Poetry-Slammer Mischa verschlagen. Zweiterer las Kurzgeschichten vor, bei denen mir vor Lachen buchstäblich die Luft wegblieb (einige auserwählte Leser wissen, was ich meine *gg*). In der anschließenden Leserunde konnte ich mir nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob er schon in der Jugend so eine doch recht ansehnliche Mecke trug.

    „Ich habe deine Frage zwar nicht so richtig verstanden, aber ich glaube, sie bezog sich auf meine Haare…“
    (später im Foyer)
    „Hey du, welches Wort hast du vorhin benutzt?“
    – „Mecke“
    „Was ist das?“
    – (externe Zuhörerin) „Das sagt man hier so, ‚Mecke‘ steht für eine außergewöhnliche Frisur.“
    „Wie schreibt man das?“… und signierte sein Buch mit „Die Mecke

    😀 Ha, ich konnte einem wortgewandten Poetry-Slammer noch das Vokabular erweitern. Das Buch „Das Leben ist keine Waldorfschule“, welches im Übrigen von Flix illustriert wurde, habe ich danach in kürzester Zeit verschlungen. Immernoch sehr unterhaltsam, aber nicht zu vergleichen, wie wenn Mischa es persönlich liest.

    Flix himself hat seine Comics vorgelesen – mit grandiosen Intonationen. Wirklich wirklich köstlich. Um einen Einblick zu vermitteln, kann man sich das hier anschauen. Den hat er auch vorgetragen.
    Vor der Veranstaltung wurde eine „kleine Weltpremiere“ angekündigt, welche sich in Form von Flix‘ erstem Zeichentrickfilm darbot. Soso. Erst „Ralle„, dann „Joschi“ – wie er die beiden lieb
    evoll nennt – und nun zieht Flix noch nach 🙂 Einige Tage früher erfuhr ich durch seine „Heldentage“ von seiner Ausstellung. Schade, ich wäre gern zur Vernissage gegangen. So holte ich es am Tag nach der Lesung nach – war ich doch eh noch in Flix-Laune. Die Ausstellung in der kleinen „Cartoonfabrik“ am Boxi zeigt die meisten bis alle Originaldrucke und einige Vorzeichnungen zu seinem neuen Cartoon-Band Verliebt.

    Nun ja, für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Einblicke in die Erschaffung der Werke – ein paar mehr Skizzen hätte ich schön gefunden. Doch die wenigen Handzeichnungen zeigten deutlich, dass Flix scheinbar nur für die Zeilen seiner Sprechblasen einen Bleistift benötigt. Beeindruckend. Den einen Euro wars sicher wert 🙂

    Read:
    Mischa-Sarim Verollet – Das Leben ist keine Waldorfschule
    (mit Illustrationen von Flix)
    Reading:
    Boris Zatko – Anna Fink: Die Fanfare des Königs
    (mit Illustrationen von Knax-Zeichner Boris Zatko)


  • Cooles Nagetier

    Da wartet doch tatsächlich im Oberallgäu bei Oberstdorf ein überdimensionaler Schnee-Lemming sehnsüchtig auf seinen Sonnentod.
    Extrem coole Sache das, was die 4 Jungs (Michel O., Andreas H., Robert Sp. und Wendelin B.) da hingepflanzt haben.

    Und der Joscha freut sich 🙂 [click link in quote for more pics]

    Ich bin wirklich schwer beeindruckt von der Skulptur und finde es schade, dass ich es wohl nicht schaffe, in den nächsten Tagen im Oberallgäu vorbeizuschauen. So bleibt mir nur, mich über die Fotos zu freuen (inklusive coolem Hubschrauber) und dem Lemming viel Geduld beim Warten auf Tauwetter zu wünschen.

    [nichtlustig-Blog, „Coole Sache“, 03.03.2009]


  • Überfluss im Überfluss

    Das Buch, in welchem die Seitenzahlen in Mrd. $ angegeben sind, hat mir die letzte Nacht arg verkürzt. Die letzten 250 Seiten wollten unbedingt gelesen werden.
    Ein Buch, in welchem es sich um derartige Geldmengen dreht, dass man sie nicht einmal so schnell ausgeben kann, wie man sie wieder einnimmt, ist sicher mal etwas völlig neuartiges in meinem Regal. Doch „Eine Billion Dollar“ von Andreas Eschbach hat es geschafft, mich zu fesseln.

    Im Prinzip geht es um einen Menschen, der ein mittels Zinseszins über knapp 500 Jahre angehäuftes Vermögen über gut 1.000.000.000.000$ erbt. Die Erbschaft ist mit einer Prophezeiung verbunden, in der es heißt, dass der Erbe der Menschheit „ihre verlorene Zukunft“ wiedergeben solle.
    Der Protagonist versucht nun über verschiedenste Wege zu diesem Ziel zu kommen.

    Es ist interessant zu lesen, wie viel Macht so viel Geld theoretisch ausüben kann. Es geht in dem Buch um die weltpolitische Lage, Hungersnöte, Umweltschutz und Modelle zur Gleichstellung aller Menschen der Erde. Über das Aufkaufen möglichst vieler Konzerne zum Ausüben von Druck auf Staaten – sei es durch Androhung von Ausrottung ganzer Wirtschaftszweige oder durch Kippen ganzer Finanzsysteme durch exzessiven Devisenhandel oder Aktienver- und aufkäufen. Es geht um die Darstellung von Geldschöpfung auf globaler Ebene, darum dass solch ein Vermögen nur existieren kann, wenn jeder Mensch irgendwie für einen arbeitet – über die Umwege von Mieten, Kredite und deren Mehrwertschöpfungen. Es geht um Möglichkeiten von Regularien zur Sicherstellung von Gleichberechtigung, es geht um theoretische Steuern auf Umweltverschmutzung und Rohstoffe anstatt auf Leistung. Es geht darum, dass in Bilanzen von Unternehmen die Wiederherstellungskosten von möglicherweise zerstörter Umwelt durch Abgase, Abwässer und Rohstoffschürfungen nicht auftauchen, weswegen es sich lohnt, lange Transportwege zu haben. Es geht um arme Menschen, die von Banken geknechtet werden, die in Wahrheit aber auch nur ums Überleben kämpfen.
    Und es geht um einen Mann, dem all das auferlegt worden ist – mit seinen guten und auch seinen schlechten Seiten. Einem Mann, dem das Wohl der Menschheit am Herzen liegt und versucht den richtigen Weg zu finden.

    Ich fand es spannend, (wenn auch oberflächliche) Einblicke in die Welt der Hochfinanz zu bekommen, die Reaktionen auf der einen Seite der Welt auf die Aktionen auf der anderen vorgeführt zu bekommen, Theorien geschildert zu bekommen, woran die Menschheit kollabieren könnte, warum Wirtschaftwachstum nötig ist, obwohl alles und jeder eh schon alles hat und was die Umwelt und der Bevölkerungswachstum mit der Weltfinanzlage zu hat. Sicherlich wird ein BWLer oder ein VWLer schmunzeln bei diesem Buch. Aber es hat definitiv zum Nachdenken angeregt. Es sei alljenen ans Herz gelegt, die von viel Geld träumen, solchen, die Kapitalismus für grundauf böse halten und solchen, die sich gern mal den Kopf an globalen Problemen zerbrechen. Wirklich spannend erzählt und dennoch nicht ganz unlehrreich.


  • Meeresgeologie für alle!

    Puuh, endlich geschafft.

    Dieser Aussage könnte durchaus etwas negatives anbehaftet sein. Unter anderen Umständen sicher, doch hier kommt sie nur deshalb zustande, weil nun ein knapp 1000seitiger Wälzer in winzigster Schriftgröße hinter mir liegt. Ein Wälzer vollgepumpt mit Informationen.

    Frank Schätzings „Der Schwarm“ ist ein Buch, welches mir von vielerlei Seiten empfohlen wurde und so kam ich wieder einmal nicht umhin, einen Mainstream-Wälzer anzupacken. Doch erstaunt bin ich jetzt, dass es tatsächlich in den Mainstream gehört. Möchte man doch meinen, der Mainstream heutzutage hört bei Dieter Bohlen, Bild und Roches „Feuchtgebiete“ auf – sinnentleerenden, flachen und keineswegs wortgewandten Themen, bei der man gut drei Viertel des Hirnes einfach wegschmeißen könnte.
    Wie Der Schwarm es in den Mainstream und auf Bestsellerlisten geschafft hat, bei solcher Konkurrenz, ist mir schleierhaft. Die Informationsfülle aus diversen wissenschaftlichen Fachgebieten, philosophischen Diskussionen aus Theologie und Esoterik kann doch ein heutiger Durchschnitts-Talkshow-Zuschauer gar nicht verarbeiten.

    Selten habe ich für ein Buch so viel Zeit benötigt, obwohl ich doch konsequent in meinen freien Minuten in der S-Bahn oder Uni, auf Arbeit oder schlicht zuhause daran gelesen hatte. Anfangs skeptisch, später doch gut unterhalten fand ich schnell Gefallen daran. Ich glaube nicht, jemals eines von solchem Kaliber in der Hand gehalten zu haben. Schätzing scheint liebevoll zu den Themen, die er beschreibt, recherchiert zu haben. Ob nun alles vollkommen wissenschaftlich korrekt ist, sei dahin gestellt, aber immerhin stößt ein interessierter Leser schnell auf Dinge und Anhaltspunkte, die ihn selbst zur weiteren Recherche des Themas verleiten kann.
    Das Werk wird als Ökothriller tituliert. Schnell wird klar, dass der Autor die Verhaltensweisen der Menschen gegenüber ihrer Umwelt, insbesondere den Meeren, kritisiert und angreift. Fragen nach Sinnhaftigkeiten von Whale Watching werden im ersten Teil des Buches genauso ausführlich diskutiert, wie die Funktionsweise von Offshore-Anlagen, die daraus resultierenden Probleme, sowie die dagegenhaltenden kapitalistischen Interessen der Ölindustrie von Norwegen beleuchtet wird. Schätzing greift die wunden Punkte der menschlichen Intoleranz und Ignoranz gegenüber der Natur heraus und vereint sie schnell zu einem komplexen Supergau des Planeten. Die Menschheit richtet sich selbst zugrunde.

    Alles schon gehört und alles schon gesehen. Theorien über den Stillstand des Golfstroms nach dem Schmelzen der Polkappen oder Abrutschungen von Kontinentalhängen und den dadurch entstehenden Tsunamis gibt es zur Genüge. Der Schwarm benutzt so ziemlich alle dieser Szenarien und so nimmt die Story nach und nach seinen wirklichen Anfang. Klingt also im ersten Augenblick nach einer ziemlich abgedroschenen Sache. Doch Schätzing hat es geschafft, diese Phänomene ausführlich und wortgewandt zu erklären, in zwischenmenschliche Beziehungen einzuflechten, mehreren Charakteren Gestalt zu verleihen und alles nicht kitschig klingen zu lassen.
    Und dies könnte der Grund für die vielen unterschiedlichen Kritiken sein. Für viele Leser dürften die seitenlangen Abhandlungen über die Destabilisierung von Methanhydrat oder den Ausflügen in die Verhaltensforschung von Säugetieren anstrengend und damit langatmig geworden sein. Ich gehöre jedoch zu den Menschen, der diesen Teilen ausgesprochen wohlgesonnen ist. Diese Abhandlungen – wie exakt oder realistisch sie nun tatsächlich sind, ist in diesem Fall sekundär – machen das Buch zu einem ausgesprochen gelungenen Werk. Man bekommt Einblicke in verschiedenste Fachbereiche bis hin zur Geschichte verschiedener Inuit-Stämme in Kanada. Die Danksagungen am Ende des Buches belegen zumindest, dass sich der Autor schon seine Gedanken gemacht haben muss und sich mit diversen Wissenschaftlern zu Zwecken der Recherche getroffen hat. Dass nicht alles perfekt ist – ein Kritiker im Internet erwähnte beispielsweise, dass es in der US Navy keine Generäle gäbe – sollte klar sein, es ist nichtsdestotrotz lediglich Belletristik. Auch die Wikipedia nimmt man nicht stets für bare Münze. Aber Anregungen zum Weiterbilden gibt sie allemal.

    Auch als im weiteren Verlauf der Story nun die nichtmenschliche intelligente Spezies auftauchte, die für alle beschriebenen Horrorszenarien verantwortlich sein sollte, wurde das Buch nicht weniger interessant. So mussten sich nun die Wissenschaftler und Protagonisten, die zur Rettung der Menschheit aus aller Herren Länder zusammengesammelt wurden, den Problemen der Kommunikation und der nichtmenschlichen Ethik stellen.
    Schätzing vergisst jedoch niemals zwischen all den Betrachtungen und Monologen oder den vielen Showdowns und Katastrophen, die Geschichte fortschreiten zu lassen und die vielen Charaktere immer weiter auszufeilen.

    Im Großen und Ganzen war es mal wieder ein wirklich gelungenes Buch. Die einzigen negativen Sachen, die das Werk meiner Meinung nach abschwächen, sind die Tatsachen, dass man schon merkt, wie viel doch von vornherein auf Hollywood ausgelegt ist. So sind die führende Nation natürlich die Vereinigten Staaten – von allen Nationen, die erwähnt werden, liest man nichts von Russland, China oder dem Nahen Osten. Es gibt filmreife Liebesbeziehungen und natürlich darf auch der obligatorische Bösewicht, der alle sabotieren will, nicht fehlen. Hier nähert sich Der Schwarm wieder dem Mainstream an, dem er am Ende auch zugeordnet worden ist. Der Film ist tatsächlich bereits in Planung, wobei ich mir allerdings noch keinen Reim darauf machen kann, wie man diesen Stoff wirklich gut verfilmen kann – schon gar nicht bei knapp 1000 kleinbedruckten Seiten. Das hat bei Herr der Ringe schon nicht geklappt – wo mindestens ebenso viel erklärt werden musste, damit man Mittelerde verstehen konnte – genau wie Schätzing versucht, die Vorgänge der Erde zu lehren. Mal schauen.


  • Nachtrag 1: Buchmesse 2008

    Tja, schön war es wieder. Ich sagte ja schon desöfteren, wie lustig der Haufen ausm Westen stets ist. Gab wie immer viel zu Lachen. Danke euch allen! Wir sehen uns Weihnachten in Dortmund!

    Nicht so lustig ist die Invasion der verdammten Mangakiddies auf der Frankfurter Buchmesse. Jedes Jahr werden es mehr, es wird immer grausamer! Die Buchmesse ist eh schon ein Ereignis, wo man stets und ständig irgendwem auf den Fuß latscht. Es ist so schon voll genug, ohne, dass die noch irgendwelche Cosplayer Bügelbretter (im Ernst!) oder breite Flügel mit sich rumschleppen müssen. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Jeder hat sein Hobby und jeder mag damit glücklich werden. Ich mache sicher auch Dinge, wo andere nur den Kopf schütteln. Aber Rücksicht ist die Mutter des Friedens… Oder so… Dieses Jahr haben wir den Spieß umgedreht. Dank geht dabei an einen gewissen Sigi Hirsch und sein Buch „Ich hab so Sehnsucht nach Gewalt„. Dadurch entstanden Fotos, die ziemlich treffend ausdrücken, wie wir die Sache sehen… Ehrlich, bei halbnackten Minderjährigen (Wo ist eigentlich der Jugendschutz am Messeeingang?) kann man nur aggressiv werden. Nächstes Jahr gibt es dann AntiManga-TV live.

    Aber die Laune konnte mit zwei Personen beträchtlich gehoben werden. So ist Joscha jetzt Schuld daran, dass ich vorerst meinen gelben Pulli nicht mehr anziehen kann (@Bonnie: den Tipp werde ich dennoch beherzigen – sobald ich mal Zeit hab) und Flix malte uns auch allen ein nettes Andenken (zB. „ein Bild von einem Berliner für einen Berliner„, Flix vor der Mauer.)

    Und mich würde mal die Buchfimmel-Statistik interessieren, die ungemein gestiegen sein muss, als plötzlich völlig unerklärlicher Weise die Startseite auf einem breiten Fernseher zu sehen war *gg*

    Freu mich schon auf nächstes Jahr.



Blog-Archiv


Chaos geordnet


Suche