Bits und andere Biester

Aus dem chaotischen Leben eines noch chaotischeren Menschen

Grundschule heute und damals

Ich bin am Freitag von meiner besseren Hälfte zu ihrem letzten Praktikumsplatz geschleift worden, einer Grundschule einer brandenburgischen Kleinstadt. Dort ging gerade eine Projektwoche zu Ende und stolze Kinder präsentierten noch stolzeren Eltern ihre Ergebnisse.
Als wir ankamen, war das Gewusel in vollem Gange. Nun ja, die Kolleginnen begrüßten sie aufs herzlichste, was mir die Zeit gab, mich in verschiedensten Klassen- und Präsentationsräumen umzuschauen.

Angefangen hatte die Tour bei einem Regenwurmprojekt. Strahlend wurde uns ein Regenwurmquiz in die Hand gedrückt. Natürlich verfiel ich sofort in die Zottelrolle und gefiel mir darin mal wieder 😀 War schon lustig. Thematisch ging es weiter mit Fossilien und Naturkatastrophen und Sand. Überall schaute ich mir die ausgestellten Plakate in Flur und Räumen an…

Es ist verdammt gruselig zu sehen, was Kinder heutzutage in der Schule fabrizieren. Hingeschmierte Texte, durchgestrichen, gekrakelt und zudem randvoll mit Rechtschreibfehlern. Zum Vorbeugen von Missverständnissen: Es waren in der Tat Projektarbeiten, die auf 4. Klasse und höher schließen lassen konnten. Es war kaum eine Arbeit oder eine ausgestellte Mappe dabei, die mir meine Eltern oder Lehrer nicht um die Ohren gepfeffert hätten. Unglaublich, was da teilweise abgegeben wurde. Tagebücher, deren Tagesbeschreibung aus einem halben Satz bestand, Quizfragen für Besucher an der Tafel, die nicht einmal Leute entziffern konnten, die tagtäglich mit Kindern zu tun haben. Und sowas wurde ausgestellt, als Beweis für die Eltern, was mit den Kindern in der einen Woche erreicht wurde!

Zu meiner Zeit war es ein harter Kampf, zu den ausgestellten Schülern zu gehören. Dazu gehörten saubere Arbeiten, korrekter Inhalt, was wiederum nur durch Unmengen an Fleiß zu bewerkstelligen war. Geschmierte Schriftstücke wurden nie ausgestellt und stets schlecht benotet.

Und heute? Da sind die Eltern noch so stolz auf ihre kleinen Sprösslinge, deren hingerotzte Ergebnisse nicht zuletzt für sie peinlich sein sollten. Und wie gesagt, das waren keine Einzelfälle. Diese bestanden andersrum eher in den wirklich guten Arbeiten, die zeigten, dass es auch heute möglich ist, ein sauberes Schriftbild zu entwickeln und ein wenig mehr Fleiß in die Plakate zu setzen, als aus der letzten Bild-Zeitung einen Artikel zu reißen, der entfernt etwas mit dem Thema zu tun hat. Ein Junge beispielsweise hielt einen Vortrag über die Aktivitäten der Klasse in der Projektwoche, untermauert von eigenen Fotos in einer Powerpoint-Präsentation. Es geht also, warum also erlauben Lehrer dann aber ein derart katastrophales Gesamtbild?

Ich sprach Anne daraufhin an, sie bestätigte mir meine Vermutung der Kinderverweichlichung mit etlichen Beispielen. So dürfen Lehrer wohl ihre Schüler nicht mehr beim Schreiben korrigieren, weil dies ja einen Eingriff in die freie Persönlichkeitsentfaltung des Kindes darstellen würde. Nur kein böses Wort, weil man das gleich als Missbrauch auslegen könnte. Korrekturen gibt es wohl erst ab Klasse 4. Und eine Förderung zu Hause? Fehlanzeige, die Ausreden der Eltern beinhalten im Wesentlichen, dass sie ja berufstätig seien und am Abend entspannen müssten. Keine Zeit mehr für das eigene Kind. Tolles System, was ist das Ergebnis? Kinder können nicht richtig schreiben, lesen, recherchieren. Dann verwundert mich auch nicht, dass die Kinder im Ferienlager immer bekloppter sind. Sie werden in der Schule und auch zu Hause nicht gefordert und gefördert. Klar, dass die von Konsolen, Computerspielen und Fernsehern beruhigten, ja gar betäubten Kinder nicht mehr 1 und 1 zusammenzählen können, keine fertigen Sätze mehr bilden und es auch nicht gebacken bekommen, aus zwei Stöcken und einer Schnur ein Holzschwert zu binden. Klar, dass Kinder sich irgendwann unterfordert fühlen und immer weniger Respekt vor fremden Menschen haben, sie wurden ja immer gelassen und nie korrigiert.

Und dann wundern sich die Ausbildungsbetriebe, dass Azubis immer weniger taugen. Total geniales Bildungssystem haben wir hier. Super.


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